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Über Mathias

Fan-Berichte

19.03.2007 22:17:41
Eine stattliche Figur in der Uniform und eine tolle, volle Stimme!
Dagmar war bei der Premiere von Les Misérables in St. Gallen am 10. März 2007 und gibt uns einen sehr ausführlichen Bericht!
Erstmal was zu den Darstellern:
Mathias Edenborn war klasse als Javert, er hat mir supergut gefallen. Eine stattliche Figur in der Uniform und eine tolle, volle Stimme!
Oskar Bly kannte ich vorher gar nicht. Im ersten Akt fand ich ihn nicht so toll, im zweiten hat er sich dann aber sehr gesteigert. Sein Bring ihn heim war überzeugend und der Rest im zweiten Akt auch, da wirkte er allerdings sehr jung, also so vom Gesicht her. Er hatte einige Probleme mit der deutschen Sprache, man merkte schon immer mal wieder, daß er kein Deutsch kann. Irgendwie fand ich es witzig, daß sich zwei Schweden gegenüber stehen (Mathias Edenborn und eben Oskar Bly), aber Deutsch miteinander singen.
Jesper Tydén war prima. An sich mag ich die Rolle des Marius nicht so gerne, aber irgendwie paßt sie zu ihm. Sein Dunkles Schweigen an den Tischen war sehr gefühlvoll gesungen, und als frisch Verliebter wirkte er herrlich schüchtern. Er scheint auch ein guter Tänzer zu sein, was ich bei dem Hochzeitstanz gesehen habe.
Ebenfalls sehr gefühlvoll gesungen war Ich hab geträumt von Caroline Vasicek. Sie hat eine sehr schöne, warme Stimme und vor allem in ihrer Verurteilungsszene hat sie total glaubhaft die Mutter gespielt, die um Gnade fleht, damit sie weiter für ihr - wie sie meint, krankes - Kind sorgern kann.
Cosette (Eva Aasgaard) und Eponine (Lucy Scherer) waren auch beide gut, wenn auch nicht herausragend. Die beiden Theardiers (Sonja Atlas, Kurt Schrepfer) haben ihre Rollen witzig rübergebracht.
Enjolras war meiner Meinung nach etwas blass, er ging in den anderen Studenten etwas unter. Grantaire fand ich auch recht unauffällig, wobei Oliver Arno da selber wahrscheinlich weniger dafür kann. Was ihn angeht, fehlten mir da die Interaktionen/Auseinandersetzungen zwischen ihm und Enjolras, da gab es kaum anklagende Blicke, dabei gehören gerade die für mich zum Stück dazu.


Und nun zum Stück selber:

Ich muß immer wieder bei der Stelle Brachst in ein Haus - Ein Fenster ging entzwei grinsen. Wenn ich noch ein Kind wäre, würde ich das beim nächsten Mal meinen Eltern auch als Entschuldigung entgegnen, wenn ich etwas kaputtgemacht hätte.
Es gab einige, wenn auch recht wenige, Kürzungen. Eine davon war die Herbergssuche, die haben sie rausgenommen, so daß nach der Feldarbeit direkt die Szene mit dem Bischof kam, dessen Stimme mir übrigens sehr gut gefallen hat.
Als Kulisse hatten sie zwei große Häuserfassaden, die immer mal wieder gedreht wurden (also sehr vielseitig einsetzbar waren) und im zweiten Akt dann sogar gekippt und als Barrikade bzw in der Kanalisation benutzt wurden. Zusätzlich gab es noch Projektionen an die hintere Wand: rauchende Fabrikschornsteine, vorüberziehende Wolken, ein Hafen (bei Leichte Mädels), die Seine mit einer Brücke...
Fantine war ein Stückchen kleiner als der Bamatabois-Darsteller, so daß sie, um ihn im Gesicht kratzen zu können, einen kleines Luftsprung machen mußte. Das sah irgendwie witzig aus, wie sie ihn so angesprungen hat.
Ein Karren geht durch fehlte, also der Gesang, die Musik gab es. Der Gesang hätte aber auch gar nicht gepaßt, weil Fauchelevent nicht von einem Wagen begraben wurde, sondern von einem herunterkrachenden Balken.
Bei der Konfrontation an Fantines Sterbebett reißt Valjean eine Dekofigur aus der Wand heraus und benutzt sie zu seiner Verteidigung. Mit dem langen Stab daran sah das gemeingefährlich aus. Aber zum Glück ist er damit bei dem Handgemenge nicht auf Javert losgegangen, sondern hat ihn erst damit bedroht (gegen Javerts Stock), das Teil dann weggeworfen und ihn mit den Händen angegriffen und überwältigt. Bei dem Duett haben sich die beiden mit der Lautstärke abgewechselt: Erst war Valjean der lautere, nachher Javert.
Die Waldszene, in der Valjean die kleine Cosette findet, war dabei. Beide gehen zum Wirtshaus, kurz vorher drückt Valjean Cosette das Wasserfaß in die Hand. Die Kleine stellt es ab, bekommt von Mme Theardier einen Strickstrumpf hingeworfen, den sie aufhebt, um weiterzustricken. Dazu setzt sie sich auf eine Bank, wird aber von Madame angeherrscht und hockt sich dann auf den Boden neben die Bank. Während der Verhandlungen bemühen sich die Theardiers dann wiederum um das Kind. Dazu nimmt Mme Thenardier sogar ihrem Liebling Eponine die Haube vom Kopf, um sie Cosette aufsetzen zu können. Bei deren Weggehen zieht M. Thenarier Cosette dann aber noch eben schnell die Haube wieder ab. Dafür bekommt sie dann aber von Valjean Schuhe, einen Mantel und eine Puppe, mit der sie im Kreise tanzend nach hinten von der Bühne verschwindet, von wo im Gegenzug anschließend die große Cosette auftaucht.
Diese etwas merkwürdige Textstelle Oh, Ihr habt wunderschönes Haar - So hab ich das noch nie geseh'n haben sie umgebaut zu: Ich mag, wie ihr die Haare tragt - Ich mag, daß Ihr mich ständig neckt. oder so ähnlich, hörte sich besser an als das Original. Nach der Paris-Szene kam dann „Sterne“ – sehr schön gesungen, worauf es dann auch lauten und verdienten Applaus gab.
Am Anfang von „Morgen schon“ bzw der Einleitung zu dem Stück erscheinen Valjean und Cosette vor der Haustüre, Valjean mit Koffer in der Hand, Cosette trägt die beiden Leuchter und geht dann nochmal rein, um ihre Puppe zu holen. Im Laufe des Liedes kommt Javert von links, zieht sich seine Polizeiweste aus, bekommt eine neue (hell) aus den Kulissen gereicht, die er sich überzieht, und eine rot-weiß-blaue Schärpe zum Umbinden. Die Theardiers singen von oben, einem Ausläufer des Ranges ihre Strophe.Zum Schluß des Liedes schwenkt dann noch einer der Studenten eine große rote Fahne – gegengleich zu einer zweiten roten Fahne in der Projektion dahinter.

Die Barrikade war etwas sehr abstrakt. Dazu haben sie einfach die Häuserfassaden gekippt und ganz langsam auf den Boden abgesenkt. Dadurch war sie sehr glatt (nur die ursprünglichen Fenster bildeten ein paar Stufen und ein Winkel bildete einen Absatz) und auch ziemlich steil, so daß es manchmal schon ziemlich gefährlich aussah, wenn sie runter bzw raufgelaufen sind.
Bringt mich gleich um oder später, jedem Schulkind sein Plaisir. Tod für jeden Hochverräter, ich verachte alle hier von Javert fehlt, er hat seine Gefangennahme stumm über sich ergehen lassen. Bei der Konfrontation nachher mit ihm und Valjean knistert es heftig, Javert fühlt sich verhöhnt, dabei will Valjean ihn nur retten, was aber absolut nicht in Javerts Weltbild passt.
Eponine kommt zurück zur Barrikade und stirbt in Marius Armen, worauf sie von 3 Studenten weggetragen wird. Irgendwie hatten sie wohl leichte Probleme mit ihr, denn das eine Bein von ihr war angewinkelt, da andere ausgestreckt, so ganz hatten sie sich da wohl nicht geeinigt, wie sie das machen wollten.Ein ähnliches Problem hatten dann nachher beim Abtransport von Gavroches Leiche, den 3 Frauen weggetragen haben, was auch etwas unkoordiniert wirkte.
Gavroche verschwindet zum Munitionsammeln auf der anderen Seite der Barrikade. Man kann ihn nur hören. Mehrere Male angeschossen schleppt er sich mit letzter Kraft die Barrikade hinauf und fällt dort oben dann tot in Enjolras Arme, wobei es so aussah, als ob die beiden durch den Schwung fast die Barrikade runtergesegelt wären, was aber zum Glück nicht der Fall war. Enjolras ist der letzte, der auf der Barrikade fällt, bzw er stürmt die Barrikade hoch und lässt sich dort fahneschwenkend erschießen. Grantaire ist zu diesem Zeitpunkt schon tot. Nachdem Valjean den schwerverletzten Marius gefunden hat (Er hat eine stark blutende Wunde an der Schulter / dem Oberarm) und mit ihm durch die Kanalisation entkommt, verschwinden die toten Studenten, sie werden quasi hinter die Barrikade gesaugt. Als Javert dann erscheint, ist die Barrikade schon leer gefegt. Er findet den Kanaldeckel und schreit auf.
Die spätere Konfrontation mit Valjean vor der Kanalisation zerstört sein Weltbild dann völlig, so daß ihm nur noch der Selbstmord bleibt. Nach und nach ersteigt er dabei die eigentliche Barrikade, die da wohl das Seineufer oder einer Brücke darstellen soll (Hinten an die Wand ist die Seine samt einer Brücke projiziert). Dabei singt er mit sehr viel Gefühl (mal laut, dann wieder sehr leise), obwohl es sicherlich auch nicht einfach war, die steile „Barrikade“ zu erklimmen, vor allem nicht die zweite, höhere Ebene und stürzt sich letztendlich hinten runter.
Auf Dunkles Schweigen war ich schon sehr gespannt, vor allem auch, ob sie die toten Studenten in irgendeiner Form im Hintergrund auftauchen lassen. Das haben sie gemacht: Hinten war das ABC-Cafe (mit Tischen und Stühlen) aufgebaut, und es spielte sich ein Treffen dort ab, an dessen Ende Enjolras auf einem Tisch stand und die Faust in die Höhe reckte. Kann sein, daß es die Szene von „Rot und Schwarz“ war, da bin ich mir aber nicht sicher.
Die letzte Szene des Stückes fing ganz ruhig an: Valjean erscheint von hinten mit den beiden Leuchtern in der Hand, geht nach vorne und stellt langsam einen nach dem anderen auf dem Boden ab. Erst dann setzt die Musik ein und das Vorspiel von Allein erklingt.


Die Besetzung:
Jean Valjean : Oskar Bly
Javert : Mathias Edenborn
Eponine : Lucy Scherer
Marius : Jesper Tydén
Enjolras : Ivar Helgason
Fantine : Caroline Vasicek
Cosette : Eva Aasgaard
Thénardier : Kurt Schrepfer
Madame Thénardier : Sonja Atlas

Ensemble:
Oliver Arno (u.a. Grantaire), Sean Gerard, Luciano di Gregorio, Rory Six, Frank Josef Winkels (u.a. Bischof), Christian Joita. Chris Mostert, Andrzej Hutnik, Frank Uhlig, Huberto Amin, Paulp S. Medeiros, Mauricio Arroniz,
Marion Furtner, Leigh Marta Klinger, Mary Byrnes, Manuela Pavel, Giedre Povilaityte, Michaela Rüster, Annette Sassenhausen, Doris Haudenschild, Elena Svetniskaya, Fiqerete Haziri-Ymeraij, Lucia Blazickova